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Inhaltsverzeichnis
Evaluierung
Zentrale Frage: Ist das Projekt Licht für Schulen nachhaltig?
Ein paar Fragen und Gedankenexperimente, um zu hinterfragen was der Begriff Nachhaltigkeit für die Lichtprojekte bedeutet (Definition):
- Ist Nachhaltigkeit das gleiche wie Langlebigkeit?
- Umfasst der Begriff Nachhaltigkeit für uns auch Selbstständigkeit und Eigeninitiative? Oder setzen wir das sogar stillschweigend voraus?
- Angenommen, die Solarinstallation hält technisch 10 Jahre, wird aber in den Abendstunden nur selten genutzt.
- Wir haben nach fünf Jahren noch Kontakt zur Schule.
- Der Vorstand des Elternrates ruft nach vier Jahren an, weil sie einen Techniker zum Anklemmen der neuen Batterie benötigen. Sie können aber für die Reisekosten nicht aufkommen.
- Alle vier Monate erhalten wir einen Anruf, ob es Ersatzlampen gibt.
- Lässt sich das Erheben einer Servicegebühr rechtfertigen?
- Nach einem Jahr ist der Laderegler defekt (Stichwort Garantie). Das Dorf nimmt selbstständig einen Austausch mit einem Chinosierie Alternativprodukt vor und dabei entsteht ein Anlagenschaden. Wie wäre eine angemessene Reaktion?
- Das Dorf tauscht nach drei Jahren die Solarbatterie gegen eine Autobatterie aus. Die Altbatterie landet auf dem Müll, die „neue“ ist nach einem Jahr erneut defekt.
- Wie ist es um die Anzahl und Qualität der Lehrmittel bestellt?
Es kristallisiert sich heraus, dass für die Langlebigkeit eines Projekts nicht technische, sondern vielmehr strukturelle Rahmenbedingungen stimmen müssen. Technischem Versagen oder Austausch von Komponenten wird in unserem Kulturkreis durch das frühzeitige Bilden von Rücklagen entgegengewirkt. Dieses Verständnis ist für burkinische Verhältnisse vermutlich realitätsfremd.
Ausgang dieser Fragestellung ist der hohe Anteil an defekten Systemen. Die Ursachen können vielfältig sein. Es reicht von simplen Dingen, wie einer defekten und nicht ersetzten Batterie/Lampe/etc., bis zu qualitativen Mängeln an der Installation. Im nachhinein ist immer schwer zu sagen, wer den Mangel verursacht hat. Möglich ist, dass es mangelndes Qualitätsbewusstsein bei den alten Systemen gab, oder dass jemand im Auftrag des Dorfes sich daran zu schaffen gemacht hat.
Die Nachhaltigkeit ist generell in Frage gestellt, wenn ein System nach drei Jahren defekt ist und in diesem Zustand verbleibt. Grundsätzlich kann wegen der eingeschränkten Lebensdauer der Batterie maximal ein Klassenzug (vier Jahre) von beleuchteten Klassenzimmern profitieren. Das ist in Anbetracht des Aufwands recht schade und vor allem schadet es den nachfolgenden Schülergenerationen, die im Vergleich mit schlechteren Chancen starten.
Die Sinnfrage, die hier ebenfalls gestellt werden sollte, soll nochmal von folgenden Aussagen flankiert werden:
- Schüler haben die Möglichkeit in den Abendstunden (ab 18) oder tagsüber während des Harmattan (Fenster geschlossen) mit ausreichender Beleuchtung zu lernen
- Lehrern wird die Unterrichtsvor und -nachbereitung erleichtert
- neben dem schulischen Nutzen können Elternrat und die Dorfgemeinschaft im Klassenraum Treffen abhalten
- der Einsatz von Solarenergie hat Signalwirkung. Das Dorf hat zum ersten Mal elektrisches Licht, was es sonst nur in den Städten gibt. So könnte man unterstellen, dass der Technologietransfer in Richtung Dorf der Urbanisierung entgegenwirkt (fragwürdige These, da soziale und ökonomische Faktoren Hauptursache sind).
Follow-up
- PM: Anzahl „système en panne“ prüfen
- Jens Tagebucheinträge (siehe untern)
- Ist es sinnvoll das Wechseln der Batterie von der Bevölkerung veranlassen zu lassen? Die Gefahr ist hoch, dass dabei ein Schaden an der Anlage entsteht. Besonders wenn unqualifiziertes Personal am Werk ist.
Annahme: Eine Batterie hält je nach Nutzung, Qualität und Umgebungsbedingungen zwei bis vier Jahre. D.h. alle vor vier Jahren installierten Systeme müssten mittlerweile bereits eine stark reduzierte Kapazität ausfweisen, wenn sie nicht bereits defekt sind. Wir können diese Projekte von Solange abfragen lassen, um uns einen Überblick zu verschaffen. Außerdem handelt es sich dabei um Anlagen, die im Besein von Jan, Keno, Barbara oder Jens installiert wurden.
Auswertung der Rundreise von Jens (Anfang 2016) Yéral hatte es so eingerichtet, dass seine nächste Vorbesuchsreise möglichst viele Altanlagen umfasst. So konnte ich mir einen Überblick verschaffen, wo die technischen und teils auch die organisatorischen Probleme lagen.
Stichpunktsammlung aus meinem Reisetagebuch und Erinnerungen:
- wenigstens ein Dorf hatte versucht die SEWA Telefonnummer zu erreichen, der Anschluss war aber nicht erreichbar.
- Anpassen der Schilder mit der aktuellen SEWA Festnetznummer; das Telefon ist bei Solange im Büro.
- die Schule von Francis Kéré war ein Alptraum in Sachen Wertschätzung, ist aber nach einem Gespräch mit Souley als SEWA Projekt nicht repräsentativ, da es außerhalb des Programms „Licht für Schulen“ realisiert worden ist.
- bei einem CSPS habe ich aus zwei defekten Systemen wieder eins gemacht. Dort wurden alte Phocos Flachladeregler verwendet.
- bei meinem allerersten Besuch mit Keno war die Batterie in der Maternite zum Bersten aufgebläht? Wie hieß der Ort noch gleich? –> GOUMSIN Reiseberichte In der Schule wurde dort auch das Panel gestohlen. An die Batterie des CPSP wurde ein Laptop zum Laden angeschlossen.
- das Taubennest-Panel war mit Einzeladern verdrahtet, von denen sich wegen UV-Einstrahlung die Isolierung gelöst hat (zerbröselt). Einige Lampen und auch die Batterie waren defekt.
- ein mit Steinen beworfenes Panel bei der Reise mit Thomas und Sinem. Schüler haben wegen eines Streiks Steine auf das Dach geworfen. Quickfix war das Abklemmen des zersplitterten Moduls. Ob ich an der Batteriekonfiguration etwas geändert habe, weiß ich nicht mehr.
Handlungsempfehlungen:
- ein SEWA AB mit Yerals Handynummer auf Moore bzw. Bambara
- überdenken der Batteriewechsel-Initiative, am besten auch mit Yéral und Souley
- wechseln des Batterietyps von Blei-Gel auf Lead-Carbon (Jens klärt Bezug über Mobisol)
- entwickeln eines SEWA-Standards, der einen DC LS-Schalter (Batteriesicherung) und auch Verlegevorschriften umfasst.
- Einholen der offiziellen Schulabschluss-Ergebnisse durch Yéral und Rassablega aus der Provinz Kaya?
- die Empfänger bitten, bei Wechsel des Personals (Lehrer, APE, COGES) SEWA zu kontaktieren, um über die Nutzung aufzuklären.
Möglichkeiten die Langlebigkeit zu erhöhen
- soziale Komponente
- regelmäßigen Kontakt (z.B. telefonisch) zum Empfänger aufrecht erhalten um technische und soziale Aspekte der Nutzung zu erfragen
- Bedenken waren, dass man evtl. nicht die Wahrheit erfährt, damit kein schlechtes Licht auf das Dorf fällt (ist das plausibel?)
- Wettbewerb ausschreiben, um Gelder für Instandhaltungsmaßnahmen bereitstellen zu können (wie soll dieser „Wettbewerb“ aussehen und was sind faire Kriterien zur Vergabe? Lässt sich das evtl. auch mit dem eher afrikanischen Prinzip der Tontine verwirklichen?)
- technologisch
- Skype maintenance call?
- setzt gute Datenverbindung und ein Smartphone voraus
- evtl. nur durch externe Tools realisierbar (SEWA-Maintenance-Koffer wird mit dem Bus ins Dorf geschickt oder jemand sammelt es in Ouaga ein)
- Remote Datenlogger mit externer Schnittstelle (Modem → Empfang?, Smartphone oder USB-Stick zum Datendownload)
- existiert als Proof-of-Concept Arduino-Projekt, ist allerdings von einer realen Anwendung noch weit entfernt.
Individuelle Beleuchtungssysteme oder Klassenraumbeleuchtung
Es wäre mal interessant, ob es zu diesem Thema Studien gibt. Ich konnte keine dazu finden. Und grundsätzlich interessiert mich, ob die Schule als Treffpunkt die schulischen Leistungen besser fördert als individuelle Lampen, die jede Schülerin mit nach Hause nimmt. Aus dem Bauch heraus, könnte ich mir vorstellen, dass gerade die Mädchen bei ihrer Rückkehr nach Hause den Haushaltspflichten nachkommen müssen. Können Mädchen die abendlichen Schulkurse überhaupt besuchen?